Die Geschichte vom Hammer

Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüberzugehen und ihn auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Vielleicht hat er die Eile nur vorgeschützt, und er hat was gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts getan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht´s mir wirklich. – Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch bevor er „Guten Tag“ sagen kann, schreit ihn unser Mann an: „Behalten Sie Ihren Hammer“.

aus P. Watzlawick: Anleitung zum unglücklich sein

Die Sage vom Leuchtturm und einem Kriegsschiff

Anbei die Niederschrift einer Funkkommunikation an der Küste Neufundlands zwischen einem US-Kriegsschiff und kanadischen Behörden im Oktober 1995. Die Freigabe der Daten durch den Chief of Naval Operations erfolgte 10-10-95, Geheimhaltungsstufe frei.

US-Kriegsschiff: Bitte steuern Sie 15° Nord, um eine Kollision zu vermeiden. Bitte kommen.
CDN: Empfehle SIE steuern 15° Nord, um eine Kollision zu vermeiden. Bitte kommen.
US-Kriegsschiff: Hier spricht der Kommandeur eines Schlachtschiffs der US Navy. Ich wiederhole, korrigieren Sie Ihren Kurs. Bitte kommen.
CDN: Wiederhole, Sie sollten Ihren Kurs korrigieren. Bitte kommen.
US-Kriegsschiff: Wir haben unter unserem Kommando den Flugzeugträger USS Lincoln, das zweitgrößte Schiff der US-Atlantikflotte. Wir werden von drei Zerstörern, Kreuzern und verschiedenen Unterstützungsungsschiffen begleitet. Wir legen Ihnen dringend ans Herz, unverzüglich Ihren Kurs zu ändern, da wir ansonsten Maßnahmen zur Sicherung unseres Geleitzuges unternehmen werden.
CDN: Hier spricht Sergeant McNeill, ich befinde mich auf einem Leuchtturm. Bitte kommen.

Keine Antwort

»Sag mir«, wandte sich der Atheist an den Meister, »Gibt es wirklich einen Gott?«
Sagte der Meister: »Wenn du willst, dass ich vollkommen ehrlich zu dir bin, möchte ich nicht antworten.«

Daraufhin fragten die Schüler den Meister, warum er keine Antwort geben wollte.
»Weil seine Frage nicht zu beantworten ist«, erwiderte er.
»Also bist du ein Atheist?«

»Ganz bestimmt nicht. Der Atheist macht den Fehler, das zu leugnen, wovon nichts gesagt werden kann.«

Und nach einer Pause, in der seine Worte sich gleichsam setzen konnten, fuhr der Meister fort: »Und der Theist macht den Fehler, es zu behaupten.«

Anthony de Mello, Wo das Glück zu finden ist

Der Fuchs und die Katze

Katze begegnete im Wald dem Herrn Fuchs, und weil sie dachte: „Er ist so klug und welterfahren, und andere halten so viel von ihm“, so sprach sie freundlich zu ihm: „Guten Tag, lieber Herr Fuchs, wie geht es Ihnen? Wie kommt Ihr zurecht in dieser schweren Zeit?“

Der Fuchs betrachtete die Katze voller Hochmut vom Kopf bis zu den Füßen. Er wußte lange nicht, ob er eine Antwort geben sollte. Endlich sprach er: „O Du armseliger Bartputzer, Du bunter Narr, Du Hungerleider und Mäusejäger, was denkst Du Dir eigentlich? Du unterstehst Dich zu fragen, wie es mir geht? Was hast Du gelernt? Wie viele Künste verstehst Du?“

„Ich verstehe nur eine einzige“, antwortete bescheiden die Katze. „Was ist das für eine Kunst?“ fragte der Fuchs. „Wenn die Hunde hinter mir her sind, so kann ich auf einen Baum springen und mich retten.“ „Ist das alles?“ sagte der Fuchs. „Ich bin Herr über hundert Künste und habe außerdem noch einen ganzen Sack voller Listen. Du tust mir leid, komm mit mir; ich will Dich lehren, wie man Hunden entgeht.“

Als er noch so sprach, da kam ein Jäger mit vier Hunden daher. Die Katze sprang geschickt auf einen Baum und setzte sich in den Wipfel, wo man sie vor lauter Ästen und Blättern nicht sehen konnte. „Bindet den Sack auf, Herr Fuchs, bindet den Sack auf!“ rief ihm die Katze zu, aber die Hunde hatten ihn schon gepackt und hielten ihn fest. „Ei, Herr Fuchs“, rief die Katze, „Ihr bleibt mit Euren hundert Künsten stecken. Hättet Ihr heraufspringen können wie ich, so wäre es nicht um Euer Leben geschehen.“

Deutsches Märchen

Zwei Arten von Schmerzen

Wir alle müssen zwei Arten von Schmerzen erleiden: den Schmerz der Disziplin und den Schmerz des Bedauerns. Der Unterschied ist, dass Disziplin nur wenige Gramm schwer ist, während Reue Tonnen wiegt.

Jim Rohn

Alle

Sie und ich sind dazu aufgerufen, laut davon zu sprechen, dass es eine Offenheit gibt, die an den ausgestreckten Armen unseres Herrn am Kreuz so deutlich wurde, als gelte es, den gesamten Kosmos zu umarmen. Denn es war Gottes Absicht, alles zu umfassen, alle Dinge zu einer Einheit zusammenzubringen. In unserem Herrn und Erlöser Jesus Christus. Es gibt nichts, was draußen bleiben müsste. Gottes Schrift gilt überall, nur waren Sie und ich zu oft und zu sehr mit dem Versuch beschäftigt, zu entdecken, wer hereinkommen durfte und wer ausgeschlossen werden sollte.

Gott hat letztendlich keine Feinde, denn alle, alle – der Atheist, der Sünder, jeder, den wir aufgrund unserer Ehrbarkeit geneigt waren, auszuschließen – sind Gottes Kinder. Unser Anliegen muss es sein, herauszufinden, wie wir jeden mit einbeziehen können, wie wir jede mit hineinnehmen, wie wir sagen können: »In den Augen unseres Vaters sind wir alle gleich, besitzen wir alle den gleichen Wert.«

Jesus hat nicht gesagt: »Wenn ich erhöht werde, werde ich einige zu mir ziehen.« Jesus hat gesagt: »Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle, alle, alle, alle zu mir ziehen.« (Joh. 12,32) – Schwarze, Weiße, Gelbe, Reiche, Arme, Schlaue, nicht so Schlaue, Schöne, nicht so Schöne. Es ist eine der radikalsten Aussagen. Alle, alle, alle gehören dazu: Schwule, Lesben, die so genannten sexuell Normalen. Alle, alle sind dazu bestimmt, in dieser unglaublichen Umarmung dabei zu sein, die uns nicht ziehen lassen will. Alle.

Desmond Tutu, Gott ist kein Christ

Begriffe

Wollen Sie zum eigentlichen Kern einer Sache vorstoßen, müssen Sie zuerst verstehen, dass jeder Begriff der Vorstellung von der Wirklichkeit diese verzerrt undein Hindernis darstellt, die Wirklichkeit zu sehen Ein Begriff ist nicht die Wirklichkeit, der Begriff »Wein« ist nicht der Wein, der Begriff »Frau« ist nicht diese eine Frau. Wenn ich mit ihrer Wirklichkeit wirklich in Berührung kommen möchte, muss ich meinen Begriff vom Frausein vergessen und sie in ihrer Einzigartigkeit erfahren.

Leider machen sich die meisten Leute nicht die Mühe, die Dinge auf diese Weise, das heißt in ihrer Einzigartigkeit zu sehen; sie halten sich lediglich an die Worte oder Begriffe, nie schauen sie mit den Augen des Kindes dieses konkrete, einzigartige, flauschige Etwas an, das da vor ihren Augen herumhüpft: Sie sehen nur einen Spatz. Nie sehen sie das Wunderbare an dem einmaligen menschlichen Wesen, das ihnen gegenübersteht: Sie sehen nur eine indische Bäuerin. So ist der Begriff Ihnen im Weg, wenn sie nicht aufpassen.

Anthony de Mello, Wo das Glück zu finden ist 

Demut

Demut ist der Mut, hinabzusteigen in die Abgründe unserer Seele, in denen all das Verdrängte haust und darauf wartet, von unserem Bewusstsein erlöst zu werden, indem wir uns ihm liebevoll zuwenden.

Anselm Grün, Das Glück beginnt in dir

Gebet für unsere Erde

Allmächtiger Gott,
der du in der Weite des Alls gegenwärtig bist
und im kleinsten deiner Geschöpfe,
der du alles, was existiert,
mit deiner Zärtlichkeit umschließt,
gieße uns die Kraft deiner Liebe ein,
damit wir das Leben und die Schönheit hüten.
Überflute uns mit Frieden,
damit wir als Brüder und Schwestern leben
und niemandem schaden.
Gott der Armen,
hilf uns,
die Verlassenen und Vergessenen dieser Erde,
die so wertvoll sind in deinen Augen,
zu retten.
Heile unser Leben,
damit wir Beschützer der Welt sind
und nicht Räuber,
damit wir Schönheit säen
und nicht Verseuchung und Zerstörung.
Rühre die Herzen derer an,
die nur Gewinn suchen
auf Kosten der Armen und der Erde.
Lehre uns,
den Wert von allen Dingen zu entdecken
und voll Bewunderung zu betrachten;
zu erkennen, dass wir zutiefst verbunden sind
mit allen Geschöpfen
auf unserem Weg zu deinem unendlichen Licht.
Danke, dass du alle Tage bei uns bist.
Ermutige uns bitte in unserem Kampf
für Gerechtigkeit, Liebe und Frieden.

Papst Franziskus, Laudato Si’ – Über die Sorge für das gemeinsame Haus