Besitz

Je weniger man besitzt, 
umso weniger wird man besessen. 
Je mehr man besitzt, 
umso mehr wird man besessen. 
Je mehr man besessen wird,
umso niedriger wird man bewertet. 
Je weniger man besessen wird, 
umso höher wird man bewertet.

Mikhail Naimy, Das Buch des Mirdad 

Danke

Wäre das Wort „Danke“ das einzige Gebet, das du je sprichst, so würde es genügen.

Meister Eckhart

Sinn des Lebens

​Der Mann kommt dem Sinn des menschlichen Lebens näher, der schattenspendende Bäume pflanzt, obwohl er genau weiß, daß er selbst nie darunter sitzen wird.

D. Elton Trueblood

Vergangenheit 

Die Vergangenheit ist unsere Wiege und nicht unser Gefängnis… Die Vergangenheit dient zur Inspiration, nicht zur Imitation. Sie soll fortgesetzt und nicht wiederholt werden.

Israel Zangwill

Schon wieder Käsebrote!

Nicht-Erleuchtete erkennen nicht, daß sie selbst die Ur-
sache all ihrer Sorgen sind.

In der Fabrik war Mittagspause, und ein Arbeiter öffnete trübselig sein Lunchpaket. „Ach nein“, sagte er laut, „schon wieder Käsebrote.“ So ging es zwei-, drei-, viermal hintereinander. Dann sagte ein Kollege, der das Gebrumme des Mannes gehört hatte: „Wenn du Käsebrote so sehr haßt, warum sagst du dann nicht deiner Frau, sie solle dir andere Schnitten machen?“

„Weil ich nicht verheiratet bin. Ich mache mir diese Brote selbst.“

Anthony de Mello, Warum der Schäfer jedes Wetter liebt

Zwei Wölfe

Ein alter Indianer erzählt seinem Enkel über den Kampf in seiner Seele. Er sagt, es ist der Kampf zwischen zwei Wölfen.

Ein böser Wolf, der ist eifersüchtig, traurig, gierig, arrogant, voll Selbstmitleid, voller Schuldgefühle, Groll und Minderwertigkeitskomplexen, Lügen, übermässigen Stolz und Überheblichkeit.

Der gute Wolf ist voller Freude, Frieden, Liebe, Hoffnung, Gelassenheit, Demut, Nächstenliebe, großzügig, wahrheitsliebend, mitleidig und hat Glauben.

Fragt der Enkel: und wer gewinnt den Kampf?

Der alte Indianer: Der den du fütterst.

Sinn

Der Mann kommt dem Sinn des menschlichen Lebens näher, der Schatten spendende Bäume pflanzt, obwohl er genau weiß, dass er selbst nie darunter sitzen wird.

D. Elton Trueblood

Trinkerlogik

Es kommt einer in die Bar, setzt sich an die Theke und bestellt fünf Whisky. »Alle auf einmal?« fragt der Kellner. »Ja, alle fünf«, antwortet der Gast, »aber ohne Eis.« Der Kellner serviert, und der Kerl trinkt sie in einem Zug. 

»Herr Ober«, sagt er. »Bitte noch mal vier Whisky, ohne Eis.« Beim Einschenken bemerkt der Kellner ein ziemlich dämliches Grinsen an seinem Gast. Der trinkt die vier Gläser aus, hält sich mit einiger Mühe auf den Beinen, klammert sich an der Theke fest und ruft: »Herr Ober! Bringen Sie mir noch mal drei.« Er kichert und fügt hinzu: »Aber ohne Eis.« Der Kellner tut, wie ihm geheißen, und innerhalb kürzester Zeit hat der Gast die Gläser, eins nach dem anderen, hinuntergestürzt. Inzwischen hat der dämliche Ausdruck auch seine Augen erreicht.

 »Mein Freund«, sagt er nun laut. »Gib mir noch zweimal dasselbe.« Er schüttet auch sie herunter und ruft noch einmal nach dem Kellner: »Bruder! Du bist wie ein Bruder für mich …« Er lacht lauthals und fügt hinzu: »Gib mir noch ein Glas, ohne Eis. Aber nur eins, ja?, ein einziges …« Der Kellner schenkt ein. Der Typ trinkt das einzelne Glas in einem Zug aus, dann wird ihm derart schwindlig, daß er sturzbetrunken zu Boden fällt. 

Von dort aus ruft er dem Kellner zu: »Mein Arzt will es mir nicht glauben, aber du bist mein Zeuge: Je weniger ich trinke, desto schlechter bekommt es mir!«

Jorge Bucay, Geschichten zum Nachdenken 

Die Meditation

Einmal hatten sich vier Priester verabredet, eine Nacht in tiefster Meditation zu verbringen, und nahmen sich gegenseitig das Gelübde ab, daß keiner, komme auch, was da wolle, durch ein Wort die Meditation stören dürfe. Für die Bußübung wurde der Hauptraum des Tempels ausersehen, und dort wurden vier Kerzen in Leuchtern aufgestellt. Ein junger Priesterschüler wurde beauftragt aufzupassen, daß die Kerzen hell und gleichmäßig brannten, und sie, falls sich Schuppen bilden sollten, zu putzen. Nach einiger Zeit bildeten sich auch Schuppen an den Dochten, und die Kerzen fingen an, trüber zu leuchten. Der Tempelschüler aber sah es nicht, da er vergeblich versuchte, gegen die Müdigkeit anzukämpfen. Einer der Priester suchte ihn nun durch wiederholtes Winken auf seine Pflicht aufmerksam zu machen. Als der Schüler aber seine Gesten nicht beachtete, verlor er die Geduld und schnautzte ihn an:»He, du Bursche, siehst du denn nicht, daß die Lichter geputzt werden müssen?«

Da wandte sich der zweite Priester dem Sprecher zu: »Hast du denn vergessen, daß während der Meditation nicht gesprochen werden sollte?« Ärgerlich rief nun der dritte: »Wenn ihr beiden euch hier unterhalten wollt, kann man beim besten Willen nicht meditieren!«

Und der vierte sagte, nachdem er alle der Reihe nach angeblickt hatte, selbstgefällig:

»Ich bin der einzige, der das Gelübde nicht gebrochen hat.«

aus: Fabeln aus Asien